Neurodermitis: Gene und Umwelt sind schuld - neue Erkenntnisse
23. April 2007 | Allgemein, Kinder / Jugendliche
Die Neurodermitis (atopische Dermatitis), von der in Europa bis zu 20 Prozent aller Kinder betroffen sind, hat eines ihrer Entstehungsrätsel preisgegeben.
Froscher der Universität Innsbruck haben herausgefunden, dass ein bestimmter Gendefekt im Zusammenspiel mit Umweltfaktoren für Neurodermitis verantwortlich ist. Ob und welche Behandlungsmöglichkeiten sich daraus ergeben ist allerdings zur Zeit wohl noch unklar. Aus der Presseerklärung der Uni:
Die atopische Dermatitis (Neurodermitis) gehört zu den häufigsten entzündlichen Hauterkrankungen. In Europa sind davon bis zu einem Fünftel der Kinder betroffen. Die Erkrankung tritt oft auch mit Heuschnupfen und Asthma auf. Als Krankheitsursache vermuten Experten ein Widerspiel zwischen mehreren genetischen Faktoren und Umweltursachen. Bisherige Mutationsanalysen hatten die Aufmerksamkeit auf verschiedene Kandidatengene gelenkt. Diese waren aber in Wiederholungsstudien nicht immer reproduzierbar. Ein wichtiger neuer Hinweis kam nun von der Ichthyosis vulgaris, einer angeborenen Hautkrankheit mit übermäßiger Hautschuppung und Trockenheit, bei der Mutationen im Filaggrin-Gen entdeckt wurden, die zu einer Verminderung von Filaggrin in den äußeren Hautschichten führen. Nachdem die Ichthyosis vulgaris in einem Drittel der Fälle gleichzeitig mit einer atopischen Dermatitis einhergeht, war es naheliegend auch hier nach Filaggrindefekten zu suchen. Das führte zur Erkenntnis, dass bis zur Hälfte der Patienten mit atopischer Dermatitis diesen Gendefekt tragen.
Zum Zusammenspiel von Umwelt und Haut bei Neurodermitis und der Barrierefunktion der Haut:
Die Lokalisation von Filaggrin in den äußersten Schichten der Haut deutet darauf hin, dass dieses Protein mit der Barrierefunktion der Haut gegenüber der Umwelt zu tun hat. Diese Funktion ist die Grundlage der Überlebensfähigkeit des Menschen, indem sie das Verdunsten des Körperwassers verhindert und damit die Voraussetzung für die Regulation des Wasserhaushalts darstellt. Darüber hinaus ist sie außerdem wichtig für die Schutzfunktion der Haut vor äußeren Gefahren. Bei der atopischen Dermatitis ist diese Funktion entscheidend beeinträchtigt. „Die geschwächte Barriere könnte ein erleichtertes Eindringen von Allergenen und die erhöhte Entzündungsbereitschaft atopischer Haut bedingen. Wie das im Detail abläuft und inwieweit weitere Faktoren des Immunsystems und der Umwelt mit hineinspielen, ist derzeit Gegenstand weiterführender Forschungsbemühungen”, so Prof. Schmuth von der Innsbrucker Hautklinik. Diese erfolgen in Abstimmung mit dem European Epidermal Barrier Research Network. Für die Forschung sind die Ergebnisse von großer Bedeutung, spielt die Zugänglichkeit des Immunsystems der Haut gegenüber Allergenen doch eine entscheidende Rolle bei der Atopieentstehung.
Wie erwähnt, ob sich daraus direkt neue Möglichkeiten der Behandlung ergeben scheint noch offen.

Am 15. September 2008 um 10:26 Uhr
Ich habe von Geburt an das atopische Ekzem (hauptsächlich Gesicht, des weiteren auch Hals, Hände usw)
Bin heute 38, die Neurodermitis hat sich im Laufe der Jahre weder verschlimmert noch reduziert, nehme täglich äußerlich im Gesicht eine Cortisonlösung (ca 1 -2 Tropfen pro Tag) - Advantan.
Ich bin ganz Ihrer Meinung: es ist ein Gendefekt und muß auch als solcher genannt werden!
(meine 3jährige Nichte hat den Defekt auch, obwohl mein Bruder nur Überträger ist, bei ihm jedoch der Defekt nicht zum Tragen kommt)
Alle Ärzte, die im psychosomatischen Bereich eine Lösung suchen, kann ich nur belächeln.
In meinem Fall hat Umwelt / Chemie / Ernährung / psychische Faktoren überhaupt keinen Einfluß: ich habe Idealgewicht, bin Extremsportler und nehme keinerlei Hormonpräparate (werde ich auch nie!)
Bei mir ist es ganz einfach: nehme ich Cortison, ist meine Gesichtshaut normal, sobald ich es weglasse, wird es extrem unangenehm für mich, damit muß ich mein ganzes Leben lang klarkommen.