Werden Frauen in der Medizin vernachlässigt? Oder: Plädoyer für eine geschlechtsspezifische Medizin
8. März 2009 | Allgemein
Frauen leben länger - trotzdem bedeutet das nicht, dass sie nicht besser medizinisch versorgt werden könnten.
Die Medizin hat sich bislang hauptsächlich am Mann und am männlichen Körper orientiert. “Hormonpapst” Johannes Huber stellt nun in seinem neuen Buch “Die Gesundheit der Frau. Warum Frauen länger leben” fest, dass die spezifischen Eigenschaften der Frauen in der männlich orientierten Medizin zu wenig berücksichtigt werden, obwohl sie länger leben.
Die vielfältigen Wirkungen der weiblichen Hormone fasst eine Besprechung im Deutschlandradio zusammen:
Herz, Hirn und Haut, Bewegungsapparat, Immunsystem, Lunge und Stoffwechsel, Bindegewebe, Gelenke und Verdauungstrakt nimmt Johannes Huber unter die geschlechtsspezifische Lupe. Allein ein Blick auf die vielfältigen Wirkungen des Gelbkörperhormons (”Progesteron”) zeigt, wie stark Hormone den gesamten Körper einer Frau beeinflussen: Progesteron gibt im Rahmen des weiblichen Zyklus das Signal zum Abbau der Gebärmutterschleimhaut und ist bei einer Schwangerschaft notwendig zum Erhalt und Überleben des Embryo. Das Gelbkörperhormon schützt aber auch vor Geschwulsten in der Brust bis hin zu Krebs, es unterstützt die Fettverwertung, erleichtert die Tätigkeit des Schilddrüsenhormons, normalisiert den Zucker-, Zink- und Kupferspiegel im Blut sowie dessen Gerinnung, verstärkt die Libido, sorgt für den richtigen Sauerstoffgehalt in Körperzellen, regt den Knochenaufbau an, hält die Gefäße elastisch und wendet Autoimmunerkrankungen ab. Darüber hinaus hat das Hormon einen stark beruhigenden Effekt auf das Gehirn, wo es auf dieselbe Weise wirkt wie derzeit gebräuchliche Antidepressiva und in den Stoffwechsel des wichtigen Botenstoffes Serotonin eingreift. Kein Wunder, wenn ein Mangel Progesteron Probleme verursacht. Nach der Pubertät, vor der Menstruation oder in der Menopause kann dies zu starken seelischen Turbulenzen führen, erläutert der Mediziner. Auch das Risiko, an Knochenschwund - Osteoporose - zu erkranken, ist erhöht.
Diese Hormonwirkungen beeinflussen z.B. auch die Wirkung von Medikamenten, die deshalb z.T. bei Frauen anders dosiert werden sollten als bei Männern, an denen meistens die Tests durchgeführt werden. Laut Besprechung gibt das Buch auch als medizinischer Ratgeber inhaltlich eine gute Figur ab.
Preisfrage nun: Wenn das so ist, warum leben Frauen trotzdem länger als Männer? Antwort: Sie leben einfach gesünder, rauchen weniger (noch), schlafen mehr trinken weniger Alkohol usw.
Quellen / Links:
Deutschlandradio Kultur: Kritik

Am 17. April 2009 um 11:36 Uhr
Johannes Huber hat wirklich viele interessante Thesen!!!!
Am 11. Mai 2009 um 11:22 Uhr
Nachtrag zu diesem Thema im Deutschaldradio Kultur am 11.5.2009:
Die Feminisierung der Medizin ist eine große Chance für
Ärzte und Patienten. Gespräch mit Astrid Bühren,
Präsidentin des Deutschen
Ärztinnenbundes.