Abnehmen: Welche Diät ist besser? Wenig Kohlenhydrate oder wenig Fett?
22. März 2007 | Abnehmen, Ernährung / Diät
Mehrere Diät-Vergleiche in Studien sprechen für stärkeren Gewichtsverlust durch das Reduzieren der Kohlehydrate wie bei der Atkins Diät, aber es gibt noch mehr zu beachten, z.B. den Einfluss auf Herz und Kreislauf oder die Langzeitwirkungen.
Die Gelehrten streiten schon seit langem über die Wirksamkeit und die Langzeiteffekte verschiedener Diäten. Inzwischen gibt es scheinbar vertrauenswürdigere Studien, in denen die Effekte verschiedener Diäten verglichen wurden, als noch vor einigen Jahren (s. Kritik bei BR-online). Es werden mehr ansonsten gesunde übergewichtige Menschen herangezogen, nicht nur z.B. Diabetiker. In einer neu erschienenen Studie an 311 amerikanischen Frauen von 20 bis 50 Jahren mit einem BMI zwischen 27 und 40 wurden Atkins, Zone, Ornish und LEARN Diät verglichen.
(Atkins Diät hat wenig Kohlenhydrate, die Zone-Diät ungesättigte Fettsäuren und komplexe Kohlenhydrate, die Ornish-Diät wenig Fett und die LEARN-Diät ist fettarm und kohlenhydratreich. Nach 12 Monaten hatten die Frauen mit Atkins im Durchschnitt (immerhin noch…) 4.7 kg abgenommen, die mit Zone, 1.6 kg, die LEARN Gruppe 2.6 kg und mit Ornish 2.2 kg. Bei der Atkins-Gruppe stieg auch der Wert für “gutes” Cholesterin (HDL) und es sanken Blutdruck und Triglyzeridwert deutlicher.
Das bestätigt den Trend einer anderenStudie von 2004, in der Fett-reduzierte (Low-Fat) mit Kohlenhydrat-reduzierter Diät (Low-Carb) verglichen wurde. Nach 6 Monaten war dort ebenfalls der Erfolg der Kohlenhydrat-reduzierten Diät grösser. Immer noch nicht wirklich geklärt sind aber die Langzeiteffekte der verschiedenen Diäten.Eine aktuelle Zusammenfassung des Kenntnisstandes aus der Sicht zweier Harvard Wissenschaftler liest sich übersetzt so:
- Viele populäre Gewichtsabnahme-Diäten sind verfügbar, obwohl für die Mehrheit wenig über ihre langfristige Wirkung, Sicherheit und ihre Fähigkeit bekannt ist, die Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verbessern.
- Wie sich gezeigt hat, haben traditionelle Empfehlungen zur Reduzierung von Fett nur eine unwesentliche Wirkung auf die langfristige Gewichtsabnahme gehabt und bieten keinen Vorteil in Bezug darauf, die Gefahr Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu reduzieren.
- Kohlehydratarme Diäten fördern größere Kurzzeitgewichtsabnahme als fettarme Diäten durch eine vorübergehende Negativ-Energiebalance, aber langfristige Studien dazu sind noch erforderlich.
- Es hat sich gezeigt, dass die traditionelle Mittelmeeküche kardiovaskuläre Krankheitsrisikofaktoren verbessert und die Gefahr von chronischen Krankheiten reduziet, allerdings sind ihre Effekte auf die langfristige Gewichtskontrolle noch nicht überzeugend nachgewiesen worden.
- In der Gesundheitsfürsorge sollten Gewichtsabnahme-Strategien gefördert werden, die nachhaltig und für die gesamte Gesundheit vorteilhaft sind.
Da ein grundsätzliches Problem der oben genannten Studie war, dass sich die Frauen im Laufe der Zeit immer weniger an ihre Diätvorschriften gehalten haben (kann man es ihnen übelnehmen? Wie im richtigen Leben ;-)) ist der letzte Punkt, die Nachhaltigkeit, sicher besonders wichtig.
Quellen: Popular weight-loss diets: from evidence to practice, Nature Clinical Practice Cardiovascular Medicine (2007) 4, 34-41
Comparison of the Atkins, Zone, Ornish, and LEARN Diets for Change in Weight and Related Risk Factors Among Overweight Premenopausal Women, JAMA. 2007;297:969-977
Clinical Trial Experience with Fat-Restricted vs. Carbohydrate-Restricted Weight-Loss Diets, Obesity Research 12:141S-144S (2004)
