Deutsche doch nicht die Dicksten in Europa?
9. Mai 2007 | Abnehmen, Ernährung / Diät, Kinder / Jugendliche
Starke Zweifel an der Statistik, nach der die Deutschen die Dicksten in Europa sind, hat jetzt auch das Robert Koch Institut zu Protokoll gegeben. Trotzdem gibt es besorgniserregende Trends besonders bei Kindern und Jugendlichen.
Nicht nur der aufmüpfige Udo Pollmer (s. Leben Dicke länger?) auch das hochseriöse Robert Koch Institut (RKI) hat jetzt Grundlagen und Ergebnisse der IASO Studie kritisiert, die für viel Aufsehen gesorgt hat und noch sorgt (heute legt z.B. die Bundesregierung ihren Aktionsplan für gesunde Ernährung und mehr Bewegung vor s.o.).In einer kurzen Mitteilung auf der Internetseite des RKI heisst es u.a. “Allerdings ist fraglich, ob die Daten, die in den EU-Mitgliedstaaten getrennt und zum Teil mit unterschiedlichen Methoden und in unterschiedlichen Jahren erhoben wurden, überhaupt vergleichbar sind und sich in einer Rangliste darstellen lassen.” U.a. weil verschiedene Altersgruppen in den jeweiligen Ländern ausgewählt wurden. In Deutschland ist ” zu berücksichtigen, dass mit den 25- bis 69-Jährigen nur ein Ausschnitt der erwachsenen Bevölkerung betrachtet wird. Damit bleibt im Gegensatz zu vielen anderen Ländern die Gruppe der 18- bis 24-Jährigen ausgeschlossen, die weitaus seltener als die höheren Altersgruppen übergewichtig sind.”
Trotzdem bleiben die Tatsachen in jedem Fall unerfreulich, denn Daten einer telefonischen Befragung des Robert Koch-Instituts zeigen, dass in Deutschland (so oder so) ” rund 67 % der Männer und 54 % der Frauen übergewichtig sind. Eingeschlossen sind darin 17 % adipöser Männer und 20 % adipöser Frauen”.
Besonders besorgniserregend sind die Daten und Trends bei Kindern und Jugendlichen. Das RKI schreibt: “Als übergewichtig sind nach der KiGGS-Studie insgesamt 15 % der Jungen und Mädchen im Alter bis 17 Jahre einzustufen, darunter 6 % mit Adipositas. Jugendliche sind
stärker betroffen als Kinder, wobei sich aber die stärkste altersbezogene Zunahme im Übergang vom Vorschul- ins Grundschulalter zeigt. Verglichen mit der Referenzpopulation
bedeutet dies einen Anstieg der Prävalenz bei Übergewicht um 50 %, der Anteil der adipösen Kinder und Jugendlichen hat sich sogar verdoppelt. Die Daten des RKI verdeutlichen damit, dass sich vor allem für Kinder und Jugendliche sowie junge Erwachsene eine
zunehmende Verbreitung von Übergewicht und Adipositas feststellen lässt.”
Deshalb ist auch keineswegs Entwarnung angesagt, trotz wahrscheinlich nicht ganz so vieler Dicker in Deutschland, sondern “Umso wichtiger erscheint es, die aktuelle Diskussion, die durch die Veröffentlichung der IASO Studie angestoßen wurde, aufzugreifen und die große
Bedeutung des Themas im Zusammenhang mit der Forderung nach einer Stärkung von Prävention und Gesundheitsförderung hervorzuheben.”
Quellen:
Übergewicht und Adipositas in Deutschland,
Epidemiologisches Bulletin 18 / 2007 (PDF, 105 KB)
