Fett oder fit - Kinder und Jugendliche gesünder als oft befürchtet, es sei denn sie sind arm
18. Mai 2007 | Kinder / Jugendliche
Nach dem “zu dick Alarm” für erwachsene Deutsche nun eine halbe Entwarnung bei Kindern und Jugendlichen was die Befürchtungen zu Gesundheit allgemein und Übergewicht im Besonderen angeht - so die aktuellen Erkenntnisse des Robert Koch Institutes. Besorgniserregend aber: je ärmer, je kränker bzw. gefährdeter sind Kinder und Jugendliche.
Die “Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen” (offiziell: Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS) hat sich vornehmlich mit diesen Fragen beschäftigt:
# Die Verbreitung von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen
# Essstörungen
# Allergische Erkrankungen
# Schilddrüsengröße und Jodversorgung in Deutschland
# Sport und Bewegung bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland
# Motorik-Modul: Motorische Leistungsfähigkeit und körperlich-sportliche Aktivität von Kindern und Jugendlichen
# Kinder-Umwelt-Survey (KUS)
# Modul Psychische Gesundheit (BELLA-Studie)
Es wurden Kinder und Jugendliche zwischen 0 und 17 Jahren berücksichtigt. Der Tagesspiegel fasst das allgemeine Ergebnis so zusammen: “Das Ergebnis ist beruhigend und beunruhigend zugleich. Einerseits geht es den meisten Kindern gut, sie treiben Sport, bringen ein normales Gewicht auf die Waage, sind ausgeglichen. Oder, wie Studienleiterin Bärbel-Maria Kurth sagt: „Es ist keine dicke, faule und depressive Generation, die da heranwächst.” Andererseits steigt die Zahl derer, die an chronischen Krankheiten und psychischen Problemen leiden. Fast jedes dritte Mädchen hat Essstörungen, jeder zehnte Junge gilt als hyperaktiv, 15 Prozent der Heranwachsenden haben Übergewicht, jeder fünfte Jugendliche raucht und ein Drittel trinkt mindestens einmal in der Woche Alkohol.”
Thema Übergewicht:
Wie die Autoren schreiben, ist dies die erste Mal, dass ” bundesweit repräsentative Aussagen zur Verbreitung von Übergewicht und Adipositas bei Jungen und Mädchen vor[liegen]“.
Ergebnisse. Insgesamt sind 15% der Kinder und Jugendlichen von 3-17 Jahren übergewichtig, und 6,3% leiden unter Adipositas. Der Anteil der Übergewichtigen steigt von 9% bei den 3- bis 6-Jährigen über 15% bei den 7- bis 10-Jährigen bis hin zu 17% bei den 14- bis 17-Jährigen. Die Verbreitung von Adipositas beträgt bei den 3- bis 6-Jährigen 2,9% und steigt über 6,4% bei den 7- bis 10-Jährigen bis auf 8,5% bei den 14- bis 17-Jährigen. Klare Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen oder zwischen den alten und neuen Bundesländern sind nicht zu erkennen. Ein höheres Risiko für Übergewicht und Adipositas besteht bei Kindern aus sozial benachteiligten Schichten, bei Kindern mit Migrationshintergrund, bei Kindern, die nicht gestillt wurden, und bei Kindern, deren Eltern ebenfalls übergewichtig sind. (RKI)
(Die Definition von Übergewicht bzw. Fettleibigkeit erfolgte durch Bestimmung des BMI: “Als übergewichtig gelten danach Kinder, deren BMI höher liegt als der BMI bei 90% der Kinder in der jeweils betrachteten Alters- und Geschlechtsgruppe des Referenzkollektivs (90. Perzentil). Adipositas (Fettleibigkeit) liegt vor, wenn das 97. Perzentil überschritten wird.” vgl. auch hier BMI für Kinder und Jugendliche - gleitende Übergänge
Dabei scheinen eher Süßigkeiten als Fast Food das Problem bei der Ernährung zu sein: 16 Prozent der Kinder und Jugendlichen essen täglich Schokolade, fast 20 Prozent andere Süßigkeiten, aber nur wenige Male im Monat Hamburger und Co.
Essstörungen:
Essstörungen wie Anorexia nervosa (Magersucht), Bulimia nervosa (Ess-/Brechsucht), Adipositas (Fettsucht) Binge Eating Disorder (Episoden von Fressanfällen, ohne einer Gewichtszunahme gegenzusteuern) wurden bei 28,9% der Mädchen und 15,2% Jungen beobachtet - auch hier wieder war der Prozentsatz bei “Armen” 27,6% fast doppelt so hoch wie der in der oberen Sozialschicht (15,5%)
Allergien:
“Nach den Ergebnissen leiden 16,7% aller Kinder und Jugendlichen aktuell unter einer allergischen Erkrankung, darunter mehr Jungen (18,0%) als Mädchen (15,4%). Allergische Krankheiten treten mit zunehmendem Alter häufiger auf.” Konkreter: Heuschnupfen, Neurodermitis und Asthma sind verhältnismässig weit verbreitet: Neurodermitis (13,2 Prozent), Heuschnupfen (10,7 Prozent), Asthma (4,7% ). Und: Bei Bluttests reagierten 40 Prozent der Jungen und Mädchen auf mindestens einen von 20 allergieauslösenden Stoffen positiv. Ausnahmsweise ist bei der Neigung zu Allergien bei “armen” Kindern geringer.
Umwelt:
Hier gibt es Fortschritte zu vermelden: “Die Blei-, Quecksilber-, PAH- und PCP-Belastungen haben seit 1990/92 deutlich abgenommen, was den Erfolg umwelt- und gesundheitspolitischer Maßnahmen belegt.” Allerdings Passivrauchen bleibt ein grosses Problem.
Psychische Gesundheit:
“Bei ca. 22% der untersuchten Kinder und Jugendlichen liegen Hinweise auf eine psychische Auffälligkeit vor, wobei circa 10% aller Kinder und Jugendlichen als im engen Sinn psychisch auffällig beurteilt werden müssen. Unter den spezifischen psychischen Auffälligkeiten treten Störungen des Sozialverhaltens (10%), Ängste (7,6%) und Depressionen (5,4%) am häufigsten auf.” Mit widerum höherem Risiko bei Kindern aus schwierigen ökonomischen Situationen und / oder Migrationshintergrund.
Zum Risikofaktor Armut sagte Ministerin Ulla Schmidt: „Diese Ungleichheit dürfen wir nicht zulassen“. - Hoffentlich nicht nur auf dem Papier.
Quellen: Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen (RKI)
http://www.kiggs.de/
Die Tugend der Jugend (Tagesspiegel)

Am 4. Januar 2008 um 22:19 Uhr
ich bin fett
ich bin klein auch
Am 24. Februar 2008 um 15:59 Uhr
meine mama sagt Dicke kinder können nicht lachen