Krebs - Fortschritte bei der Behandlung
26. März 2007 | Krebs
Eine bessere Organisation der Krebsbehandlung durch frisch gekürte “Onkologische Spitzenzentren” und die Behandlung mit gezielter wirkenden Medikamenten versprechen Fortschritte.
Die Deutsche Krebshilfe hat am 23.3.07 die vier Gewinner im bundesweiten Wettbewerb “Onkologische Spitzenzentren” gekürt. Die ausgezeichneten Kliniken bekommen eine Förderung von je 3 Millionen EUR - und eine Menge Prestige. Die Krebshilfe will mit ihrem Wettbewerb insbesondere Interdisziplinarität fördern. “Nicht der Patient muss sich seine Spezialisten suchen, sondern wir bringen diese zum Patienten”, bringt Professor Jürgen Wolf, Ärztlicher Leiter des Centrum für Integrierte Onkologie (CIO) Köln-Bonn das Leitbild auf den Punkt. Genau damit schien es bis jetzt nicht immer zum Besten zu stehen, wie Magnus Heier in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 25.03 kritisch anmerkt:
Die Freiheit - und häufig genug Willkür - der Behandlung wird nur durch wenige Richtlinien eingeschränkt. Abhängig davon, ob sich eine Patientin mit Brustkrebs zuerst dem Gynäkologen, dem Chirurgen oder dem Onkologen anvertraut, kann auch die Therapie völlig anders aussehen. Oder sie ist abhängig davon, ob die Patientin in Hamburg oder München Hilfe sucht. Der Zufall spielt in der Krebsbehandlung eine große Rolle.
In den vier “onkologische Spitzenzentren” nämlich den Universitätskliniken Dresden, Freiburg, Köln/Bonn und Tübingen sollen darüber hinaus die Patienten und deren Angehörige umfassend betreut werden. Dazu dienen z.B. so genannte “Patientenlotsen”, die Ansprechpartner und Betreuer des Patienten während aber auch nach der Behandlung bleiben sollen. In der Praxis wird der Patientenlotse wohl eine Lotsin, eine Krankenschwester sein. Im nächsten Jahr möchte die Krebshilfe weitere Spitzenzentren küren. Interdisziplinarität ist auch gefragt, weil neue Medikamente ein gezielteres Vorgeben gegen Krebsleiden ermöglichen, aber auch mehr vereinigtes Fachwissen:
“Wir behandeln mittlerweile drei Viertel unserer Patienten mit sogenannten ,targeted drugs’, also Medikamenten, die man gezielt gegen den Tumor einsetzen kann”, sagt Wolf. Substanzgruppen wie monoklonale Antikörper oder Tyrosinkinaseinhibitoren gehören zu den Medikamenten, die mit den Tumorzellen zusammen nicht mehr alle anderen schnell wachsenden Zellen wie etwa Haare oder Zahnfleisch ausschalten.
Dadurch werden die Therapien aber nicht einfacher. Häufig werden Medikamente und chirurgische Maßnahmen, Strahlentherapie und Chemotherapie miteinander kombiniert. “Diagnose, Therapie und die Entscheidung, was sich für welchen Patienten eignet, sind auf dramatische Weise komplexer geworden”, sagt Michael Hallek, Chef der Kölner Universitätsklinik für Hämatologie und Onkologie. “Wir werden bald Tumore genetisch typisieren können und damit verschiedene Behandlungsoptionen haben. Dafür brauchen wir dann Genetiker, Strahlentherapeuten, Internisten, Molekularbiologen und Radiologen an einen Tisch.” (FAZ)
Die Aussichten für die Zukunft hören sich optimistisch an:
“Wir hoffen, schon bald vorhersagen zu können, ob bei einem bestimmten Tumor dieses oder jenes Medikament wirken wird. Damit könnten wir dem Patienten eine belastende und nebenwirkungsreiche Therapie ersparen und gleichzeitig hochwirksame Alternativen anbieten”, sagt Wolf. “Wir werden die meisten Tumore zwar nicht heilen können. Aber vielleicht wird man, ähnlich wie heute mit Aids, jahrzehntelang ohne schwere Symptome mit der Krankheit leben können.”
Quellen: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 25.03.2007, Nr. 12
