Mammographie: weiterhin unsicher, ob sie mehr nutzt als schadet
4. April 2007 | Krebs
Neue Leitlinien des American College of Physicians (ACP) zur Mammografie für 40- bis 49-Jährige Frauen lassen die Diskussion um Schaden und Nutzen der Mammografie wieder aufleben. Die Autoren der Leitlinien befürworten eine individuelle Abwägung bei jeder Frau d.h. keine “blinde Empfehlung” einer Mammographie.
An gleicher Stelle wird eine systematische Analyse der vorhandenen Studien bis 2005 veröffentlicht, die zu dem Ergebnis kommt:
Obwohl wenige Frauen im Alter von 50 oder älter Risiken durch Mammographie haben, die den Nutzen überwiegen, legen die Hinweise nahe, dass mehr Frauen im Alter zwischen 40 und 49 Risiken tragen.
Ein Artikel im Deutschen Ärzteblatt setzt sich damit unter “US-Leitlinien fordern Mammografie für 40- bis 49-Jährige auf individueller Basis” auseinander. Ein amerikanischer Artikel hebt besonders die Risiken durch Strahlenbelastung und die Folgen falscher positiver oder negativer Befunde hervor. Nach der US Studie kommt es bei 20 bis 56 Prozent der Frauen wenigstens einmal zu einem falschen Befund. Sehr kritische Stimmen kommen besonders in Berufung auf einen Beitrag im angesehenen “Lancet” in newstarget.com unter Mammograms offer no health benefits whatsoever, doctors conclude zu Worte. Ein sehr lesenswerter älterer Artikel zur Problematik insbesondere von Mammografie Reihenuntersuchungen, der auch die psychologischen Bedingungen bei Arzt und Patientin ausführlicher miteinbezieht findet sich bei www.brustkrebs-info.de . Eine kleine Übersicht möglicher Chancen und Risiken daraus:
Ziele * Senkung der Brustkrebs-Sterblichkeit.
* Längeres Leben bei relativem Wohlbefinden.Eventueller Nutzen
* Längeres Überleben, wenn Brustkrebs früher gefunden wird.
* Weniger invasive Therapie, wenn Brustkrebs früher gefunden wird.
* Bessere Lebensqualität, wenn Brustkrebs früher gefunden wird.Unerwünsche Wirkungen
* Falsch-positive Befunde (Angst und Schrecken).
* Falsch-negative Befunde (falsche Sicherheit für die Patientin).
* Brustkrebs finden, der nie klinisch relevant geworden wäre.
* Länger als Brustkrebs-Patientin leben (vorgezogene Diagnose), ohne Senkung der Sterblichkeit.
* Strahlenbelastung.
* Kosten.
* Bindung von Ressourcen.
Die Gewichtung und das Risiko durch die einzelnen Faktoren sind von Alter, Familienvorbelastung, genetischen Umständen usw. abhängig. Einiges davon berücksichtigt der Risiko Rechner (s.u.)
Links: Screening Mammography for Women 40 to 49 Years of Age: A Clinical Practice Guideline from the American College of Physicians
Deutsches Ärzteblatt
Risiko-Rechner des US-National Cancer Institute (Englisch)
