Krebs: Welche Rolle spielen Ernährung und Übergewicht wirklich?
4. Mai 2007 | Ernährung / Diät, Krebs
Seit einigen Tagen wird vielerorts über die neuen (Zwischen-) Ergebnisse der der großen europäischen Studie zum Zusammenhang zwischen Krebs und Ernährung geschrieben. Ein eindeutiger Zusammenhang zwischen “dem Krebs” und ungesunder Ernährung ist nicht nachweisbar, wohl aber Zusammenhänge zwischen einzelnen Krebsformen und Ernährungsgewohnheiten bzw. Übergewicht wahrscheinlich.
Die große sogenannte EPIC Studie (Abkürzung für European Prospective Investigation Into Cancer and Nutrition), die seit 1992 läuft, ist mit mittlerweile 520.000 Studienteilnehmern, davon 53.000 in Deutschland, die größte Studie dieser Art weltweit. Sie ist Teil des Forschungsprogramms „Europa gegen den Krebs”. Einige Erkenntnisse:
- Wer viele Ballaststoffe und viel Fisch zu sich nimmt, senkt das Dickdarmkrebs-Risiko, wer viel rotes Fleisch und viel Wurst isst, erhöht es.
- Mehr Obst und Gemüse senken nicht das Brustkrebsrisiko, wohl aber das Risiko, an Lungenkrebs oder Krebsarten des oberen Verdauungsweges zu erkranken.
- Ein hoher Obst- und Gemüseverzehr hat generell keinen Einfluss auf das Eierstockkrebsrisiko.
Auch Übergewicht hat Auswirkungen auf das Krebsrisiko.
Die Wissenschaftler fanden heraus, dass zuviel Fett um den Bauch herum zu Darm-, Bauchspeicheldrüsenkrebs und Gebärmutterkrebs führt. Wenn sich das Fett über den ganzen Körper verteilt, steigt das Risiko für Brustkrebs.
Nicht allein Gewicht und Body-Mass-Index sind ausschlaggebend, so ein Ergebnis, sondern vor allem die Fettverteilung im Körper. Die Häufigkeit von Dickdarm-, Bauchspeicheldrüsen- und Gebärmutterkrebs steht im Zusammenhang mit Bauch- oder Taillenumfang.
Dieser wiederum lässt sich bei den meisten Männern, deren Übergewicht meist als Apfelform auftaucht [freundlich für "Bierbauch".. r.k.], in direkten Zusammenhang mit dem Body-Mass-Index bringen. Bei den meisten Frauen hingegen, die zu Hüftspeck, also Birnenform neigen, hängt der Taillenumfang nicht direkt mit dem Ausmaß des Übergewichts zusammen: hier ist also nicht das Gewicht, sondern die Verteilung wichtig. Beim Bauchspeicheldrüsenkrebs etwa ergibt sich bereits pro zehn Zentimeter mehr Taillenumfang eine Risikoerhöhung von dreizehn Prozent. Frauen mit eine Taille über 88 Zentimeter haben ein um 76 Prozent höheres Gebärmutterkrebsrisiko als andere. nach FAZ
“Bedeutung des Verzehrs von Obst und Gemüse für die Krebsvermeidung scheint überschätzt” titelte die Die Deutsche Krebsgesellschaft e.V. und machte auf einen ganz anderen überraschenden Zusammenhang zwischen Krebs und Ernährung aufmerksam, der bislang weniger beachtet wurde:
„Wir wissen heute, dass mehr als 50 Prozent der Krebspatienten mangelernährt sind. Wir müssen unsere Anstrengungen also auf die optimale Versorgung von Krebspatienten mit Nährstoffen richten, um Ihnen die Kraft zu geben, die sie für die Therapie und den Kampf gegen Krebs benötigen“, erklärt Biesalski. Bei diesen Patienten kann durch eine der Krankheit angepasste Ernährung in Bezug auf Prognose und Lebensqualität kurzfristig weit mehr erreicht werden als in der langfristigen Prävention von Krebs durch Ernährung.
Um auf der sicheren Seite zu sein, empfiehlt sich aber trotzdem Obst, Gemüse und Ballststoffe ausreichend zu essen - und auf Gewicht (BMI) und Figur zu achten.
Quellen: Krebs durch Ernährung vermeiden: EPIC-Studie: Bedeutung des Verzehrs von Obst und Gemüse für die Krebsvermeidung scheint überschätzt
Ernährung und Krebs
FAZ
Krebs und Ernährung
Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIFE)
