“Herr Doktor, ich hab’s am Rücken” überschreibt Magnus Heier in der Sonntags FAZ vom 4.3. seinen kritischen Überblick über den Stand von Diagnose und Behandlung der Volkskrankheit Rückenschmerzen in Deutschland . Einige Auszüge:
“Ich hab’s am Rücken” ist die wohl häufigste Klage in deutschen Arztpraxen.
… Bei 85 Prozent aller Rückenschmerzpatienten findet sich keine präzise Ursache.
Trotzdem wird in der Arztpraxis erst einmal gespritzt und geröntgt. Schmerzmittel - oberflächlich in die Haut injiziert, tief in den Muskel oder als Infiltration neben die betroffenen Nerven - sind bei Patienten und Ärzten gleichermaßen beliebt. Genauso wie bildgebende Verfahren: Mittels Röntgengerät, CT oder Kernspintomographen werden landauf, landab Wirbel und Bandscheiben untersucht, denn nur Schmerzen, die man sehen kann, werden offiziell anerkannt.
Viele oder gar die meisten der Aufnahmen sind dabei vollkommen sinnlos.
“Mit den vielen Bildern machen wir die Patienten krank und fördern die Chronifizierung der Rückenschmerzen”, sagt Müller [Leiter des Hamburger "Rückenzentrums am Michel" ]. Die teure und strahlenbelastende Röntgerei ist auch deshalb sinnlos, weil fast jeder Mensch sichtbare Veränderungen an Wirbeln und Bandscheiben hat - völlig unabhängig davon, ob er Schmerzen hat oder nicht.
Nach dem aktuellen Fehlzeitenreport steht der Rückenschmerz noch vor Grippe, Schnupfen und Durchfall.
Trotz der Häufigkeit der Beschwerden gibt es wohl keinen Bereich des Körpers, an dem unkontrollierter herummanipuliert wird als an Nacken und Rücken. Ganz oben auf der Beliebtheitsskala: das Einrenken.
……
Umstritten ist weiterhin die Frage: operieren oder nicht? Auch hier lassen die Richtlinien eigentlich nur wenig Spielraum. Es gibt Indikationen, die für eine Operation sprechen: Dann nämlich, wenn Nerven ihre Funktion plötzlich einstellen und Taubheit oder Lähmung die Folge sind. ….
Nach neuen Veröffentlichungen, die Heier zitiert, ist es durchaus unsicher, dass eine Operation bei Bandscheibenvorfällen einer Behandlung ohne Skalpell überlegen ist. Allerdings verlangt iene Behandlung ohne Operation mehr vom Patienten, nämlich Training und Bewegung.
Der normale Impuls bei Rückenschmerzen ist dagegen Schonung - und genau dieser Weg ist falsch….
Die Schlussfolgerung seines Artikels liest sich dann so:
Gelegentliche Rückenschmerzen sind normal. Dauern sie länger, ist Schonung Gift und Bewegung alles. Eine wirklich bedrohliche Chronifizierung erkennt man daran, dass der Betroffene mehr als vier Wochen lang wegen “Rücken” krankgeschrieben ist, dass er mehr als zwei Rückfälle pro Jahr hat oder dass die Schmerzen über mehr als drei Monate hinweg anhalten. Ist auch nur einer dieser Punkte erfüllt, ist es hohe Zeit, sich an einen guten Spezialisten zu wenden. Und in der Praxis eines guten Rückenspezialisten nehmen psychologische Gespräche und krankengymnastische Verschreibungen einen entscheidenden Raum ein. Tun sie es nicht, ist der Arzt kein guter Rückenspezialist.
Quelle: FAZ

Am 22. März 2007 um 22:59 Uhr
Sehr geehrte Damen und Herren, ich hatte angefangen den Artikel in der FAZ vom 4.3.07 zu lesen, dann kam mir etwas dazwischen und irgendwann landete die Zeitung leider im Papierkorb. Nun würde ich den Artikel gern noch zu Ende lesen. Können Sie mir bitte sagen, wo ihn den gesamten Artiekl nachlesen kann.
Vielen Dank für Ihre Mühe
Sabine Beckmann
Am 23. März 2007 um 12:25 Uhr
@Sabine
Über die Suche im Archiv bei der FAZ kann man noch drankommen ( Heier und/oder Rücken eingeben) : http://fazarchiv.faz.net/FAZ.ein
oder in einer normalen Bibliothek mit etwas Glück.
Viel Erfolg, ist schon sehr lesenswert.
Rainer